Betzdorf/Kirchen. Die Spannung steigt. Langsam wird der eine oder andere Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) Betzdorf-Kirchen doch nervös. Denn am Freitag geht es zum Arbeitseinsatz auf die Philippinen. Dort soll das Kinderheim-Projekt (die RZ berichtete mehrfach) fertig werden. Gefördert wird es auch von HELFT UNS LEBEN, dem Hilfsprojekt der Rhein-Zeitung. Nun steht der Innenausbau an. Jede Menge Arbeit liegt vor den Schülern, Lehrern und Mitarbeitern auf den Philippinen (35 bis 40). Denn in gut zwei Wochen soll alles, bis auf die Möbel, fertig werden.
Für viele Schüler, die selbst je 850 Euro zu dem Arbeitseinsatz beisteuern, ist es ihr erster Aufenthalt in der Ferne. Doch auch Routiniers sind im Team. Timo Tielmann aus Friedewald und Fabian Mauelshagen aus Birken-Honigsessen waren bereits beim Bau einer Schule in Kenia mit dabei. Die Lehrer Norbert Rink und Jürgen Nocker sowie Schulleiter Michael Schimmel stellten das Projekt der Berufsbildenden Schule Betzdorf-Kirchen und den aktuellen Stand der Dinge gestern noch einmal vor. Schimmel wünschte eine gute Reise, guten Arbeitseinsatz, gute Erfahrungen fürs Leben sowie eine gute Heimkehr.
Im letzten Moment sind alle Dinge geklärt. Überraschungen sind aber nie ausgeschlossen. So haben ganz kurzfristig sieben Personen aus England abgesagt, die im Rahmen eines Comenius-Projektes (Zusammenarbeit von Schulen auf europäischer Ebene) mit auf die Philippinen fliegen wollten.
Aufregung, erzählt Rink, gab es noch nach der Ankunft der beiden Überseecontainer auf den Philippinen, die jede Menge Material für den Innenausbau enthalten. Mit zwei Tagen Verspätung kamen sie im Hafen an. Ein eher noch normaler Vorgang. Dann ging der Ärger aber los: Der Zoll machte Probleme, als die Container den Hafen verlassen sollten. Anschließend musste eine Spedition den Weitertransport zum Kinderheim auf der Straße und per Fähre besorgen. Der mit einem Container beladene Lkw hatte einen Motorschaden. Die Sache wird binnen eines Tages geregelt, wurde Rink telefonisch informiert. Ein Tag später musste dann doch der komplette Motor ausgetauscht werden, dann wurde ein falscher eingebaut. Und als schließlich alles funktionierte, da fuhr der Lkw ganze fünf Kilometer weit und hatte plötzlich eine Reifenpanne. So reihte sich eine Hiobsbotschaft an die andere. Für Rink, der stets über den Stand der Dinge informiert war, waren das nervenaufreibende Tage. Sind die Container rechtzeitig vor Ort?
Dann passten die Container nicht auf die vorgesehene Fähre. Eine andere Fährverbindung musste gesucht werden. So fanden die Container schließlich Platz auf dem Außendeck eines Schiffes.
„Aber inzwischen ist alles gut beim Kinderheim angekommen“, freut sich Rink. Das war schließlich eine wertvolle Fracht. In den Containern befindet sich das Material für den kompletten Innenausbau: Fliesen für mehr als 1000 Quadratmeter Fläche im Wert von 15 000 Euro, modernstes Installationsmaterial, jede Menge Gipsplatten und so weiter – grob geschätzt gespendetes Material im Wert von mindestens 40 000 Euro, freut sich Rink.
Am Freitag werden 23 Personen (BBS-Schüler, Lehrer und ehemalige BBS-Schüler) um 6 Uhr von der Schule aus nach Düsseldorf fahren. Von dort hebt dann das Flugzeug in Richtung Philippinen ab. Bevor es zum Kinderheim geht – die Ankunft dort ist für Montagnachmittag vorgesehen –, werden die Jugendliche in Cebu noch eine Mülldeponie besichtigen. Im Umfeld der Deponie leben rund 6000 Menschen. Sie leben von und oft auch auf der Deponie, darunter zahlreiche Straßenkinder – Waisen, die sich allein durchschlagen müssen. Für sie ist das Kinderheim der BBS gedacht.
An Ort und Stelle wird in zehn Teams am Innenausbau gearbeitet. Danach soll das Kinderheim, die Genehmigung vorausgesetzt, in Betrieb gehen. Am Karnevalsdienstag soll das Arbeitsteam dann wieder in Düsseldorf landen.