Textil und Umwelt
Unter der Leitung der Lehrer Andrea und Thomas Staß fand in der Klasse BF HW 97 im 2. Halbjahr 1998 das Projekt "Textil und Umwelt" statt. Die 29-köpfige Klasse stellte sich dazu die folgende Leitfrage:
Wie können wir unseren Kleidermüll in unserer Umgebung sozial- und umweltverträglich entsorgen? Mit besonders viel Engagement versuchte die Klasse dieser Frage nachzugehen, wie der nachfolgenden Beschreibung entnommen werden kann:
Die Arbeitsgruppe initiierte zunächst eine Altkleidersammlung im kleinen Rahmen, d.h. Schülerinnen sammelten zu Hause und im Lehrerkollegium Altkleider, die von den Schülerinnen zur Wieder- und Weiterverwendung aussortiert wurden.
Wiederverwendung: Als ersten Schritt suchten sich die Schülerinnen alte Sachen heraus um sie weiterzutragen.
Weiterverwendung: Die Schülerinnen arbeiteten Kleidungsstücke in andere Gebrauchsgegenstände um, z. B. Jeanshosen in Jeanstaschen, eine alte Socke in eine Handpuppe, Kleidung in Putzlappen.
Parallel dazu forderten die aktiven Schülerinnen Informationsmaterial von Organisationen an, die Altkleidersammlungen betreiben. Zusätzliche Informationen holten sie aus den Medien
Dabei wurde deutlich, dass die meisten dieser Organisationen, wie z.B. auch das Deutsche Rote Kreuz, aus den von der Bevölkerung verschenkten Kleidern Profit schlagen und ein Großteil der Kleider nicht etwa an Bedürftige verschenkt, sondern sie an sog. "gewerbliche Sortierer" verkauft. Vielfach gelangt die Ware somit als Konkurrenzprodukt zur einheimischen Industrie auf den afrikanischen Markt, wo europäische Kleidung äußerst begehrt ist und an den meistbietenden, zumeist Leute aus der Mittelschicht, verkauft wird.
Stichprobe:
Eine Exkursion in verschiedene Second-Hand-
Shops in Köln, in denen die Schülerinnen Angestellte
interviewten, brachte außerdem zutage, dass ein Gros der
Kleidung von Sortieren stammt, die Berge von Altkleidern u.a.
aus den USA an deutsche Second-Hand-Shops verkaufen
Fairwertung:
Altkleider, die die Schülerinnen nicht umarbeiteten oder trugen wurden deshalb in Altkleidertüten verpackt, die die Aufschrift "FairWertung" trugen. Der Dachverband "Fairwertung e.V." kämpft seit längerem für eine sozialverträgliche , "Entsorgung" von Altkleidern gemäß dem Motto: Arbeit schaffen ! - Umwelt schonen !
Weitere Aktivitäten:
Die Schülerinnen beteiligten sich an einem Vortragsabend der Kampagne für saubere Kleidung im Ev. Gemeindehaus in Betzdorf mit einem Sketch, der auf unseren enormen Kleiderkonsum hinwies. Thema des Vortrages, "Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in Billiglohnländern".
Die Schülerinnen sammelten Unterschriften für die Kampagne, die großen Firmen wie Salomon- Adidas, Nike, C & A, H & M, Karstadt u.v.a. überreicht werden sollen, mit der dringenden Bitte, sich über eine einheitliche
Sozialcharta für bessere Arbeitsbedingungen
in der Textilindustrie zu einigen und diese in den Fertigungsbetrieben einzu-fordern. Die Unterschriften wurden an die Christliche Initiative Romero e.V. weitergeleitet und sollen zu Beginn des Winterschlussverkaufs, am 23. Januar 1999, einem ausgewählten großen deutschen Handelshaus übergeben werden. Mit einem derartigen "Appell an den Bekleidungshandel" erhofft sich die Kampagne mehr öffentliche Wirksamkeit.